Der 57. Deutsche Verkehrsgerichtstag in Goslar gab umfangreiche Empfehlungen zu mehr Verkehrssicherheit. Verkehrsexperten des TÜV Thüringen nahmen an der international beachteten Konferenz teil.

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag gilt als der bedeutendste Kongress seiner Art und steht im Dienste der Verkehrssicherheit und des Verkehrsrechts. In 8 Arbeitskreisen diskutierten vom 23. bis 25. Januar 2019 in Goslar Verkehrsexperten, Rechtsanwälte, Richter, Psychologen und Vertreter von Behörden und Politik über Fragen des Verkehrsrechts, einschließlich der polizeilichen Praxis, der Verkehrspolitik, der Verkehrstechnik und angrenzender Bereiche der Verkehrswissenschaft.

Vom TÜV Thüringen nahmen Dr. Don DeVol vom Institut für Verkehrssicherheit, Achmed Leser, Leiter des Bereichs Schaden- und Wertgutachten, und Prüfingenieur Markus Volkmann am Erfahrungsaustausch teil. Verkehrspsychologe Dr. Don DeVol referierte im Arbeitskreis „Alkolock“. In seinem Vortrag forderte er auf dem Verkehrsgerichtstag neben der Einführung von sogenannten Alkohol-Interlock-Programmen auch die Herabsenkung der 1,6 Promillegrenze auf 1,1 Promille, ab der eine medizinisch-psychologische Untersuchung für Ersttäter angeordnete wird. Laut einer repräsentativen Studie im Auftrag des VdTÜV befürworten dies 73 Prozent der befragten BürgerInnen. Verkehrspsychologische Experten halten den Einsatz eines Alkohol-Interlock-Geräts in Kombination mit einer verkehrspsychologischen Begleitmaßnahme für eine sinnvolle Ergänzung des deutschen Verkehrssicherheitssystems. Der Arbeitskreis forderte darüber hinaus einen primär-präventiv europaweit verpflichtenden Einbau von Alkohol-Interlock-Geräten im gewerblichen Personen- und Güterverkehr, da hier von einem erhöhten Gefahrenpotential ausgegangen werden kann. Hierbei sollen Anreizsysteme für den freiwilligen Einbau von Alkohol-Interlock-Geräten geschaffen werden.

Achmed Leser diskutierte im Arbeitskreis „Automatisiertes Fahren“ über die Sicherheit im Straßenverkehr im Zusammenhang mit hoch- und vollautomatisiertem Fahren. Der Arbeitskreis befasste sich in erster Linie mit strafrechtlichen Fragestellungen und stellte fest, dass es keines Sonderstrafrechts für automatisiertes Fahren bedarf. Zudem begrüßten die Experten die Einführung eines Fahrmodusspeichers. Dieser soll zur Aufklärung von Delikten dienen, jedoch ist dafür eine Unfall- und Ereignisdatenspeicherung erforderlich. Ein weiterer Arbeitskreis des Deutschen Verkehrsgerichtstags, an dem Markus Volkmann teilnahm, beschäftigte sich mit Lkw- und Busunfällen. Zu mehr Verkehrssicherheit und weniger schwerwiegenden Unfällen würden Notbremsassistenten in Lkw und Bussen beitragen, darüber sind sich die Experten einig. Der Verkehrsgerichtstag empfiehlt insbesondere zum Schutz von Radfahrern und zu Fuß Gehenden die verpflichtende Einführung von Abbiegeassistente.