Seit der Urlaub im Ausland wieder ungewöhnlich ist, sind Wohnmobile und Caravans ein noch häufiger Anblick während der Sommermonate. Auch viele Urlauber, die bisher nicht über Camping-Ausflüge mit Wohnmobil und Caravan nachgedacht haben, wagen nun entsprechende Fahrten. Besonders für Unerfahrene am Steuer kann das Fahrverhalten von Wohnanhänger und Reisemobil allerdings schnell zu brenzligen Situationen führen. Andreas Neumann vom TÜV Thüringen erklärt, auf welches Fahrverhalten Camping-Anfänger vorbereitet sein sollten.

Dass Wohnwagen und Wohnmobile deutlich höher und breiter als ein Pkw gebaut sind, sieht jeder Laie auf den ersten Blick. Daraus ergeben sich aber nicht nur andere Perspektiven und eine eingeschränkte Sicht nach hinten, aufgrund des deutlich höher liegenden Schwerpunkts und der auf Langstreckenkomfort ausgelegten Fahrwerke neigen sich die schweren Fahrzeuge in Kurven auch wesentlich stärker zur Seite. Die größeren Seitenflächen können bei Seitenwind wie ein Segel wirken und machen große Wohnmobile und Camper außerdem besonders windanfällig. Die daraus resultierenden Fahreigenschaften stellen für Unerfahrene eine enorme Umstellung zum alltäglichen Autofahren dar: Lenkverhalten, Spiegelblick, Rückwärtsfahren oder das Abbiegen in engen Kurven brauchen ein wenig Übung. Bei der ersten Fahrt mit Wohnmobil oder Wohnwagen-Gespann rät TÜV Thüringen-Verkehrsexperte Andreas Neumann deshalb, sich unbedingt vorsichtig an das ungewohnte Fahrverhalten heranzutasten und auf keinen Fall zu schnell unterwegs zu sein.

Wird eine Kurve zu schnell angefahren, drohen aufgrund des hohen Gewichts und der stärkeren Seitenneigung gefährliche Situationen. Im Extremfall schaukelt sich das Gefährt auf, was bis zum Kippen des Fahrzeugs führen kann. Auf Autobahnbrücken und beim Überholen von Lkw ist nicht nur an windigen Tagen Vorsicht geboten, denn auch den Seitenwind unterschätzen Autofahrer oft. Im Extremfall kann eine Böe sogar zu unfreiwilligen Spurwechseln führen. Auch in Sachen Bremsverhalten können Wohnmobile und Wohnwagengespanne mit einem normalen Pkw nicht mithalten, der Bremsweg ist wesentlich länger. Nicht nur beim Rangieren, auch bei entgegenkommendem Verkehr, beim Abbiegen sowie in Autobahnbaustellen müssen die größeren Abmessungen des Fahrzeugs beachtet werden. „Die meisten Schwierigkeiten haben unerfahrene Autofahrer beim Abbiegen in engen Kurven, beispielsweise in einem Wohngebiet. Wer nicht aufpasst, ist schnell über einen Bordstein gefahren, touchiert ein Verkehrsschild oder sogar ein parkendes Auto“, zählt Andreas Neumann häufige Fehler auf.

Großen Wert sollten unerfahrene Wohnwagen- und Wohnmobil-Urlauber auch auf die Sicherheitshinweise und Verkehrsregeln legen. Während das zulässige Gesamtgewicht im Alltag der meisten Autofahrer keine Rolle spielt, kann es bei einem voll bepackten Camper durchaus überschritten werden. Auch die maximale Anhängelast des Zugfahrzeugs darf auf keinen Fall überschritten werden: Bei Überladung steigt die Unfallgefahr enorm, denn das Fahrverhalten wird mitunter unbeherrschbar. Beim Beladen des Caravan-Gespanns empfiehlt Andreas Neumann außerdem, schweres Gepäck wenn möglich im Kofferraum des Zugfahrzeugs zu verstauen. Schwere Gepäckstücke sollten sowohl im Wohnmobil als auch im Caravan möglichst weit unten, mittig und gut gegen verrutschen gesichert untergebracht werden.

Generell gilt in Deutschland für das Fahren mit Anhänger eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Nur wenn Wohnanhänger und Zugfahrzeug gewisse Voraussetzungen erfüllen, dürfen je nach Geschwindigkeitsbegrenzung und Verkehrssituation bis zu 100 Stundenkilometer gefahren werden. Diese gewissen Voraussetzungen werden auch vom TÜV-Thüringen überprüft und bestätigt. Wer zu schnell fährt, riskiert nicht nur Bußgelder und Punkte in Flensburg: Das Überschreiten der maximal zulässigen Geschwindigkeit kann zu instabilem Fahrverhalten und im Falle eines Unfalls auch zum Verlust des Versicherungsschutzes führen.

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