Experten für Dampf- und Drucktechnik des TÜV Thüringen setzen innovative Prüfverfahren ein, um die hochkomplexe Atemluftanlage auf dem Hochsee-Bergungsschlepper „Nordic“ zu prüfen.  Durch die Anwendung von zerstörungsfreien Ersatzprüfverfahren wie der Schallemissionsprüfung oder dem patentgeschützten Verfahren ID-E by TÜV Thüringen war die „Nordic“ bereits kurz nach der Prüfung der integrierten Atemluftanlage wieder voll einsatzbereit.

Ungewöhnliche Prüfobjekte sind für die Dampf- und Druck-Sachverständigen des TÜV Thüringen nicht selten, aber im Fall der „Nordic“ war tatsächlich eine weltweit einmalige Technik zu prüfen. Der Hochsee-Bergungsschlepper wurde im Trockendock in Bremerhaven gründlich überprüft, wobei der Fokus aber nicht auf den 25.000 PS starken Antriebsaggregaten oder den Schiffschrauben lag: das Interesse der Experten drehte sich um eine Besonderheit im Inneren von Europas leistungsfähigstem Hochsee-Rettungsschlepper, die dem Schiff einzigartige Einsatzoptionen eröffnet.

Mit ihren 80 Metern Länge ist die „Nordic“ auf den ersten Blick kein besonders auffälliges Schiff, aber ihre inneren Werte sind dafür umso überzeugender: Das Schiff ist der leistungsfähigste Hochsee-Bergungsschlepper Europas und muss auch weltweit keinen Vergleich scheuen. Eine Besonderheit an Bord ist weltweit sogar völlig einzigartig, denn kein anderes vergleichbares Schiff verfügt über eine komplett von der Außenluft unabhängige Atemluftversorgung für die Besatzung: Im Ernstfall kann das gesamte Schiffsinnere des Bergungsschleppers komplett von der Außenatmosphäre abgeschottet werden. So sind auch Rettungseinsätze bei extrem gefährlichen äußeren Bedingungen möglich, bei denen andere Schlepper abdrehen müssten, beispielsweise bei Havarien von Schiffen, die gefährliche Güter wie Öl, Gas oder Chemikalien transportieren. Die großzügig dimensionierte und technisch komplexe Atemluftanlage der „Nordic“, die von der Firma Dräger Safety direkt beim Bau des Schiffes installiert wurde und betreut wird, speichert die Notfall-Atemluft für die Besatzung in 108 Hochdruckbehältern mit einem Speichervolumen von insgesamt 5.400 Litern. Verteilt wird diese durch ein feingliedriges Rohrleitungsnetz im gesamten Schiffsinneren. Die Atemluftspeicher sind so dimensioniert, dass das Schiff im Extremfall für 8 bis 10 Stunden komplett unabhängig von der Außenluft operieren kann. Dazu wird die Atemluft bei einem Druck von 300 bar gespeichert.

Auch eine so komplexe Atemluftanlage muss wiederkehrend geprüft werden, in dieser Frage unterscheidet sie sich nicht von anderen überwachungsbedürftigen Druckanlagen. Genau hier kommen die Dampf- und Druckexperten des TÜV Thüringen ins Spiel, denn aufgrund der einmaligen Bauart im Schiffsinneren konnte hier keine klassische Wasserdruckprobe durchgeführt werden. Für solche Spezialfälle können sie auf innovativste Techniken zurückgreifen: Neben der seit Jahren etablierten Schallemissionsprüfung (SEP) kam auf der „Nordic“ auch das patentgeschützte Verfahren ID-E by TÜV Thüringen zum Einsatz, bei dem es sich um eine Weiterentwicklung des EMAT-Verfahrens handelt. Die Innovationen bringen einen entscheidenden Vorteil mit sich: Die gesamte Anlage konnte geprüft werden, ohne dass sie vor und nach der Prüfung aufwendig entleert, gesäubert, getrocknet, gespült und im Anschluss wieder mit dem regulären Betriebsmedium befüllt werden musste. Sowohl die innere Prüfung als auch die Druckprüfung an den Behältern war so nicht nur deutlich schneller und mit weniger Montageaufwand durchführbar, auch die hochqualitative Atemluft in den Behältern konnte ohne Verluste direkt nach Abschluss der Prüfung weitergenutzt werden.

Dank der leistungsfähigen Prüfverfahren des TÜV Thüringen erreichte die „Nordic“ viel schneller wieder volle Betriebs- und Einsatzbereitschaft: Der Hochsee-Bergungsschlepper konnte das Trockendock noch am gleichen Tag mit frisch geprüfter Atemluftanlage verlassen. Inzwischen steuert die „Nordic“ längst wieder auf dem Meer vor Helgoland und erfüllt im Auftrag des Bundes ihre Mission im Rahmen des Deutschen Notschleppkonzepts. Kapitän und Mannschaft können sich nun wieder der Sicherheit auf der Nordsee widmen und beim nächsten Rettungseinsatz sicher sein, dass ihnen auch unter extremen Bedingungen immer genügend Atemluft zur Verfügung stehen wird.

 

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