Zu Ausbildung und Studium unserer Nachwuchskräfte gehören viele spannende und einzigartige Projekte, aber das nun in Eisenach restaurierte Automobil ist wirklich herausragend: Markus Heidel und Tobias Frank haben im Rahmen ihrer Bachelorarbeit eines der ältesten motorisierten Fahrzeuge Deutschlands restauriert. Der Wartburg-Motorwagen wurde noch im vorletzten Jahrhundert gebaut und kann auf über 120 Jahre bewegte Geschichte zurückblicken. Für die angehenden Prüfingenieure des TÜV Thüringen stand das Ziel im Vordergrund, den Wartburg wieder in einen fahrtüchtigen Zustand zu bringen. Dass ihnen diese Aufgabe hervorragend gelungen ist, konnten sie auf dem internationalen Wartburgtreffen „Heimweh 2021“ beweisen. Hier wurde der restaurierte Wagen erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Die Besucher feierten das antike Gefährt bei der abendlichen Show begeistert, als es mit tuckerndem Motorengeräusch zügig über den Platz rollte.

Für das Restaurierungsprojekt arbeitete die Duale Hochschule Gera-Eisenach erstmalig mit dem historischen Automobilmuseum „Automobile Welt Eisenach“ (AWE) zusammen. Ein beträchtlicher Vorteil war, dass das Museum für das Vorhaben einen Werkstattbereich im Erdgeschoss der AWE einrichtete. Hierdurch wurde eine Möglichkeit geschaffen, ohne Beeinträchtigung des Museumsbetriebs permanent am historischen Wartburg-Motorwagen arbeiten zu können. Ziel des Projekts war es, die Technik aus der Anfangszeit des Automobils für die Nachwelt zu erhalten und zu bewahren. Der Wartburg-Motorwagen, der kurz vor der Jahrhundertwende entwickelt und als erstes Automobil in Eisenach gefertigt wurde, steht sinnbildlich für den motorisierten Fortschritt jener Zeit.

Bei der fachgerechten Restaurierung des mobilen Kulturgutes bekamen Markus Heidel und Tobias Frank Unterstützung vom ehemaligen AWE-Motorenkonstrukteur Dipl.-Ing. Eberhard Spee sowie von Museums-Kfz-Meister Matthias Huch. Dabei wurde echte Pionierarbeit geleistet, denn vor der Restaurierung wurde der Motorwagen zuletzt 1970 bewegt. Von der vorangegangenen Instandsetzung im Jahr 1967 gab es keine Aufzeichnungen, auch ausreichende Werkstattliteratur und selbst rudimentäre Unterlagen zur Technik fehlten. Der Wagen musste daher Schritt für Schritt untersucht, analysiert und dokumentiert werden. Eine Herausforderung, die unsere Studenten besonders schätzten: Die ungewöhnliche Situation erforderte und ermöglichte die Entwicklung und Umsetzung eigener Herangehensweisen und Methoden.

Da der Wartburg-Motorwagen zu einem der ersten motorisierten Fahrzeuge in Deutschland zählt, war die Reaktivierung seines De-Dion-Bouton-Motors während der Restauration für alle Beteiligten ein echtes Herzensprojekt. Durch die intensive Arbeit konnte nicht nur das Fahrzeug selbst detailliert untersucht werden, der Wartburg lieferte auch spannende Einblicke in die Anfangszeit der Motorisierung. Anders als in der Vergangenheit soll der 122-jährige Verbrenner aus Eisenach nun keinen jahrelangen Stillstand mehr erleben, sondern als einmaliges Zeitzeugnis regelmäßig bei ausgewählten Veranstaltungen fahrend präsentiert werden. Ein absolutes Highlight wäre die angestrebte Teilnahme am jährlich stattfindenden London to Brighton Veteran Car Run, an dem nur vor 1905 gebaute Automobile teilnehmen dürfen.