Im Corona-Jahr 2020 sind viele Festveranstaltungen abgesagt worden. Herbstfeste, Faschingsumzüge oder Weihnachtsmärkte stehen vielerorts auf der Kippe. Dennoch wagen einige Städte und Kommunen mit einem entsprechenden Hygienekonzept eine vorsichtige Öffnung. Mit den nötigen Abstandsregeln, Mundschutz und Alkoholverboten sollen Fahrgeschäfte wie Autoscooter, Riesenrad oder Achterbahn wieder Besucher anlocken. Um Unfälle auf den Fahrgeschäften zu vermeiden, sollten Fahrgäste stets die Sicherheitshinweise beachten, rät der TÜV Thüringen. Oftmals passieren diese aufgrund von Übermut oder übermäßigen Alkoholkonsum. Die technische Sicherheit der Fahrgeschäfte hingegen ist prinzipiell als hoch einzuschätzen, da sie regelmäßigen Prüfungen sowie einer Gebrauchsabnahme vor Betrieb unterzogen werden.

2020 war mit Sicherheit für die meisten Schausteller eine mittlere Katastrophe. Das Frühjahrs- und Sommergeschäft ist für die Branche sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Viele der Betreiber hoffen nun auf ein halbwegs erträgliches Herbst- und Wintergeschäft. Marco Kopelmann ist Leiter der Prüfstelle für Festigkeit und Fliegende Bauten des TÜV Thüringen und nimmt seit Jahren Fahrgeschäfte wie Autoscooter, Riesenrad oder Achterbahn unter die Lupe. „Viele unserer Kunden haben aufgrund der Corona-Pandemie ihre wiederkehrenden Prüfungen verschoben. Das ist verständlich, da die meisten Prüfungen direkt beim Aufbau des Fahrgeschäfts auf den Märkten durchgeführt werden“, so der Experte. Generell schätzt er die Fahrgeschäfte als sicher ein. Sie unterliegen dem Baurecht und werden vor der Inbetriebnahme und danach regelmäßig wiederkehrend geprüft sowie nach dem Aufbau vor Betrieb einer sogenannten Gebrauchsabnahme unterzogen.

Dennoch sollten Fahrgäste aus eigenem Interesse bei der Benutzung einige Grund-regeln beachten. „Fahrgeschäfte dürfen nur bestimmungsgemäß genutzt werden. Den Hinweisen des Bedienpersonals ist dabei stets Folge zu leisten. Arme und Beine gehören immer ins Fahrzeug beziehungsweise die Gondeln“, unterstreicht Marco Kopelmann. Ebenso ist die vorgeschriebene Sitzposition während der gesamten Fahrt beizubehalten. „Sicherheitsgurte oder Sicherheitsbügel müssen immer möglichst eng am Körper anliegen. Nur so können diese ihre Funktion erfüllen“, legt Karussell-Experte Marco Kopelmann den vergnügungssüchtigen Fahrgästen wärmstens ans Herz. Das trifft besonders auf sogenannte hochdynamische Fahrgeschäfte wie Achterbahnen zu. Hier sind die Sicherheitsanforderungen besonders hoch und die Prüfungen erfolgen in kürzeren Abständen als beispielsweise bei einem Kinderkarussell.

Alkohol und Übermut haben jedoch auf Fahrgeschäften nichts verloren. Sie zählen als häufigste Unfallursachen bei Karussellunfällen. „Es gibt zwar keine Promillegrenze wie im Straßenverkehr, dennoch wissen die wenigsten, dass Personen im alkoholisierten Zustand von einer Beförderung in Fahrgeschäften auszuschließen sind“, so Kopelmann.

Darauf sollten Fahrgäste achten:

  • Bei bestimmten Fahrgeschäften wirken aufgrund der hohen Geschwindigkeiten starke Kräfte auf den Benutzer ein. Hier können Einschränkung bezüglich auf Alter und Körpergröße der Fahrgäste bestehen. Die Sicherheitsanweisungen des Personals sind strikt einzuhalten.
  • Kinder dürfen einige Fahrgeschäfte nur in Begleitung eines Erwachsenen be-nutzen.
  • Bei schnellen Rundfahrgeschäften wie Karussells sollten sich Kinder aufgrund der auftretenden Fliehkräfte auf den inneren Sitzen platzieren.
  • Lassen Sie die Haltebügel vor Fahrtantritt vom Personal kontrollieren.
  • Personen mit Herz- oder Kreislauferkrankungen und Schwangere sollten Fahrgeschäft, bei denen hohe Fliehkräfte wirken, meiden.
  • Nach Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholkonsum ist die Benutzung von Fahrgeschäften tabu.
  • Am Ende der Fahrt sollten Fahrgäste solange sitzen bleiben, bis das Fahrgeschäft auch wirklich stillsteht.

Je spektakulärer beziehungsweise hochdynamischer ein Fahrgeschäft ist, desto wichtiger sind diese Sicherheitsratschläge. Sie beinträchtigen in keiner Weise das Fahrvergnügen, sondern sorgen dafür, dass die Karussellfahrt in angenehmer Erinnerung bleibt. Fahrgeschäfte werden im Fachjargon als Fliegende Bauten bezeichnet. Das bedeutet, dass diese für eine zeitlich begrenzte Nutzung an einem Ort aufgestellt werden können und danach wieder vollständig abgebaut werden. Neben Fahrgeschäften zählen zu den Fliegenden Bauten auch Festzelte, mobile Bühnen oder Großvideowände.