Nicht nur in Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und Kliniken hätte ein Versagen der technischen Anlageninfrastruktur katastrophale Auswirkungen. Kaum vorstellbar, wenn während einer OP lebenserhaltende Technik versagt oder eine radiologische Diagnose nicht sicher durchgeführt werden kann. Aber auch in anderen Bereichen kann ein Technikversagen lebensgefährlich sein. Wie es um die Sicherheit technischer Anlagen in Mitteldeutschlands Gewerbe und Industrie bestellt ist, geht aus dem 10. Anlagensicherheits-Report des TÜV Thüringen hervor, der 1. August 2019 in den Ilm-Kreis-Kliniken in Arnstadt vorgestellt wurde.

Die strikte Trennung von Betreiberverantwortung, regelmäßiger Wartung und unabhängiger Prüfung ist der Grundpfeiler des hohen Sicherheitsniveaus von technischen Anlagen in Deutschland. Den gesetzlichen Rahmen für die Prüfungen an sogenannten überwachungsbedürftigen Anlagen wie Aufzügen, Dampfkesseln, Druckanlagen oder explosionsgefährdeten Anlagen bildet die Betriebssicherheitsverordnung
(BetrSichV). Alle hier aufgeführten Anlagen müssen wiederkehrend oder vor Inbetriebnahme durch Sachverständige einer dafür zugelassenen Überwachungsstelle (ZÜS) wie dem TÜV Thüringen geprüft werden. Bei den wiederkehrenden Anlagenprüfungen stellen die Sachverständigen regelmäßig gravierende Mängel fest, die ohne eine Prüfung nicht aufgedeckt worden wären. Der Anlagensicherheits-Report des TÜV Thüringen wurde bereits zum 10. Mal vorgestellt und wertet die Prüfungen an über 10.000 Aufzügen und zirka 20.000 Dampfkesseln und Druckanlagen in Mitteldeutschland aus.

Mängelquote bei Aufzügen nach wie vor hoch: Jeder achte Aufzug mit sicherheitserheblichen beziehungsweise gefährlichen Mängeln – Prüfplakette zeigt nächsten Prüftermin

Aufzüge werden täglich von Millionen Menschen genutzt – und das nicht nur in Wohngebäuden, auch die meisten öffentlichen Gebäude verfügen mit Blick auf einen barrierefreien Zugang über Aufzugsanlagen. Aufzüge unterliegen besonderen Sicherheitsprüfungen, denn sie müssen rund um die Uhr einwandfrei funktionieren und jederzeit gefahrlos bedient werden können – egal ob von Kindern, Erwachsenen oder Menschen mit Handicap. Statistisch gesehen zählen Aufzugsanlagen zwar zu den sichersten Transportmitteln überhaupt, aber das ist vor allem der strengen Kontrolle zu verdanken. Denn die überwachungsbedürftigen Anlagen bergen einige Gefahrenpotenziale, die zu folgeschweren Unfällen führen können. Die Angst, abzustürzen oder steckenzubleiben, fährt bei manchen Fahrgästen unterbewusst ständig mit.

Die ZÜS-Sachverständigen des TÜV Thüringen haben im Jahr 2018 an nahezu drei Vierteln (71,8 Prozent) der geprüften Aufzugsanlagen Mängel aufgedeckt. Das ist insgesamt ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr (72,6 Prozent), aber nach wie vor eine sehr hohe Mängelquote. Erfreulicherweise ist zumindest der Anteil der Aufzüge mit sicherheitserheblichen beziehungsweise gefährlichen Mängeln rückläufig. Hier lag die Mängelquote bei 12,5 Prozent. Das sind 2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr (14,5 Prozent). Solche Mängel sind zum Beispiel defekte Notrufe, Störungen bei der Notrufweiterleitung an die Zentrale, nicht funktionstüchtige Fangvorrichtungen und Sicherheitsschaltungen, defekte Geschwindigkeitsbegrenzer oder auch beschädigte Umlenkrollen. Der Anteil der Anlagen mit geringfügigen Mängeln ist im Berichtszeitraum von 58,1 Prozent auf 59,3 Prozent leicht gestiegen. Weniger als ein Drittel der Anlagen (28,2) war mängelfrei.

Seit der Novellierung der Betriebssicherheitsverordnung im Jahr 2015 müssen Aufzugsbetreiber einen Notfallplan vorhalten. Darüber hinaus sind für alle neu errichteten Anlagen Zweiwege-Kommunikationssysteme in der Aufzugskabine vorgeschrieben. Bestandsanlagen müssen damit bis zum 31. Dezember 2020 nachgerüstet werden. In der Fahrkabine muss eine Prüfplakette sichtbar angebracht sein. Sie zeigt dem Nutzer Monat und Jahr der nächsten Prüfung sowie die prüfende Stelle an.

Sicherheitsstandards bei Druckanlagen auf besonders hohem Niveau

Auch von Druckanlagen geht ein enormes Gefährdungspotenzial für Mensch und Umwelt in der unmittelbaren Umgebung aus. Verheerende Dampfkesselexplosionen wie zu Zeiten der ersten industriellen Revolution gehören zum Glück der Vergangenheit an, aber schwere Havarien können auch heute noch geschehen.

An den Ergebnissen der Prüfungen von dampf- und drucktechnischen Anlagen im Jahr 2018 ist das hohe Sicherheitsniveau in Industrie und Gewerbe ablesbar. 73,1 Prozent der Anlagen werden vorbildlich betrieben und kamen ohne Mängel durch die Prüfung. Die Mängelquote ist gegenüber dem Vorjahr von 30,3 Prozent auf 26,9 Prozent erneut gesunken. 22,4 Prozent der Druckanlagen wiesen dabei geringfügige Mängel auf. Die Quote der erheblichen und gefährlichen Mängel ist auch im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Nur an 4,5 Prozent der Anlagen (Vorjahr: 8,4 Prozent) mussten die ZÜS-Sachverständigen des TÜV Thüringen bei der Prüfung solche Mängel feststellen. Mängel werden dann als erheblich oder gar gefährlich eingestuft, wenn beispielsweise Risse in der Behälterwand, Korrosion, Schweißnahtfehler oder defekte Sicherheitseinrichtungen auftreten.

Anlagensicherheits-Report – Fazit:

Von technischen Anlagen können bei unsachgemäßem Betrieb oder falscher Bedienung, aber auch durch altersbedingten Verschleiß stets Gefährdungen ausgehen. Die technische Sicherheit von Anlagen ist jedoch Voraussetzung für eine weitestgehende Unfallverhütung. Unternehmen und Betreibern kommt dabei ein hohes Maß an Eigenverantwortung zu. Für die Anlagensicherheit ist daher eine wiederkehrende technische Prüfung durch unabhängige ZÜS-Sachverständige Grundvoraussetzung. Nur so kann ein zuverlässiger und gefahrloser Betrieb der überwachungsbedürftigen Anlagen sichergestellt werden.

Der Anlagensicherheits-Report reflektiert den derzeitigen Stand der Technik. Durch die zunehmende digitale Vernetzung industrieller Prozesse verändern sich auch die Anforderungen an Sicherheits- und Prüfkonzepte. Die Anforderungen an die funktionale Sicherheit von Anlagen und Prozessen werden weiter zunehmen. Themen wie Daten- und IT-Sicherheit oder Cybersecurity werden künftig auch bei der Prüfung technischer Anlagen im Fokus stehen.


Weitere Informationen sowie der TÜV Thüringen Anlagensicherheits-Report zum Download finden Sie auf der Internetseite:
www.tuev-thueringen.de/unternehmen/presse/anlagensicherheits-report-2019/

TÜV Thüringen – Mit Sicherheit in guten Händen!

Als international tätiges Dienstleistungsunternehmen mit Stammsitz in Erfurt sorgt der TÜV Thüringen für Sicherheit, Qualität und Zuverlässigkeit. Dazu sind in den Geschäftsfeldern Anlagen und Produkte, Fahrzeug und Mobilität, Qualifizierung sowie Zertifizierung mehr als 1 000 Mitarbeiter weltweit tätig, davon mehr als 600 in Deutschland. Die Experten, Ingenieure und Sachverständigen des TÜV Thüringen arbeiten zum Vorteil aller Branchen, privater Kunden und der öffentlichen Hand. In Deutschland ist der TÜV Thüringen mit elf großen Standorten in Berlin, Bayern, Hessen, Sachsen und Thüringen sowie mit zahlreichen Kfz-Prüfstationen in Thüringen vertreten.