Tausende Arbeitnehmer haben ihren Arbeitsplatz im Büro in den letzten Monaten gegen das Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden getauscht. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass längst nicht jeder heimische Arbeitsplatz ähnlich gute Voraussetzungen und Möglichkeiten wie das Büro beim Arbeitgeber bietet. Gewisse Mindestanforderungen an einen Büroarbeitsplatz sollte aber auch das Home Office unbedingt erfüllen: Nicht nur eine schlechte Sitzposition kann sich schnell auf die Gesundheit auswirken, auch zusätzlicher Stress durch familiäre Ablenkung oder arbeitsbedingte psychische Belastungen sind ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Arbeitnehmer sollten deshalb einige Regeln für die Arbeit im heimischen Büro beachten.

Kaum etwas hat unseren Alltag in so kurzer Zeit so nachhaltig verändert wie die Corona-Pandemie: Einschränkungen im öffentlichen Leben, beim Reisen und von sozialen Kontakten sind im Lockdown zur Gewohnheit geworden. Einen noch viel größeren strukturellen Wandel hat Corona in unserer Arbeitswelt hinterlassen. Während einige Branchen wie die Gastronomie oder der Einzelhandel nach wie vor heruntergefahren sind, kamen auf Unternehmen anderer Wirtschaftszweige viele völlig neue Herausforderungen hinzu. Vor allem der Infektionsschutz hat in den letzten Monaten eine enorme Bedeutung erlangt, sowohl beim Umgang mit Kunden als auch zum Schutz der eigenen Belegschaft. Auch deshalb hat sich der Arbeitsplatz vieler Arbeitnehmer in die eigene Wohnung verlagert: Um die Pandemie bestmöglich eindämmen zu können, ist die Vermeidung aller unnötigen Kontakte alternativlos. Als wichtigen Beitrag für weniger Kontakte hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung (Corona-ArbSchV) in Kraft gesetzt: Unternehmen müssen ihren Arbeitnehmern überall dort die Arbeit im Home Office anbieten, wo dies möglich ist.

Zwar sind Mitarbeiter im Home Office besser vor einer Ansteckung geschützt, aber das Arbeiten von zu Hause bringt auch neue Gefahren mit sich: Die Verantwortung für den Arbeitsschutz verlagert sich im Home Office zunehmend zur Eigenverantwortung des Arbeitnehmers. Er sollte daher auch im Home Office auf einen ergonomischen Arbeitsplatz wertlegen, gerade die Sitzposition und Ergonomie sind bei einer dauerhaften Arbeit am PC essenziell. Wenn möglich, sollte der vorübergehende Arbeitsplatz in einer ruhigen Ecke eingerichtet werden, aber nicht in jeder Wohnung findet sich ein „richtiges“ Home Office im Sinne eines separaten Arbeitszimmers. Zumindest sollte aber auf eine gute Ausleuchtung des Arbeitsplatzes geachtet werden, ohne dass die Blickrichtung in Richtung Fenster geht. Ein passender Arbeitstisch, der eine aufrechte Sitzposition beim Arbeiten ermöglicht, ist ebenfalls unverzichtbar. Dieser sollte circa 72 Zentimeter hoch und nicht zu klein sein - empfohlen werden 160cm x 80cm. Weil nicht jeder zu Hause über einen höhenverstellbaren Bürodrehstuhl verfügt, empfiehlt sich zumindest ein häufiger Wechsel der Sitzposition: Durch das sogenannte dynamische Sitzen können Rückenschmerzen oder Verspannungen vermieden werden. Wie auch im Büro ist ein häufiger Wechsel zwischen stehender und sitzender Position angebracht. Telefonate sind da eine gute Abwechslung, die man stehend oder in der Wohnung laufend führen kann. Regelmäßigen Dehn- und Lockerungsübungen bringen ein wenig Abwechslung bei der Arbeit im Home Office. Auch der Abstand zu Monitor oder Laptop sollte nach den bekannten Vorgaben für Bildschirmarbeitsplätze wie im angestammten Büro gewählt werden.

Übrigens: Beim Corona-bedingten Home Office handelt es sich aus Arbeitsschutzsicht in aller Regel um „mobiles Arbeiten“, denn die Arbeit ist für einen beschränkten Zeitraum angeordnet beziehungsweise empfohlen. Im Gegensatz dazu wird bei der Telearbeit vom Arbeitgeber im Privatbereich des Beschäftigten ein Arbeitsplatz mit der entsprechenden Ausstattung eingerichtet. Zudem muss die Arbeit von zu Hause in diesem Fall auch arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung geregelt sein. Hierfür macht die Arbeitsstättenverordnung entsprechende Vorgaben. Unter mobiler Arbeit sind Tätigkeiten zu verstehen, die außerhalb der Arbeitsstätte unter Nutzung von stationären oder tragbaren Computern oder anderen Endgeräten stattfinden und nicht zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten fest vereinbart sind. Solche Tätigkeiten umfassen auch das kurzfristig angesetzte Arbeiten in der eigenen Wohnung. Bei der Möglichkeit, während der Corona-Krise für einen begrenzten Zeitraum von zu Hause aus zu arbeiten, handelt es sich also – in der Regel – nicht um Telearbeit im Sinne der Arbeitsstättenverordnung. Für mobiles Arbeiten gelten die allgemeinen Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes und des Arbeitszeitgesetzes, spezielle Regelungen wie bei der Telearbeit gibt es jedoch nicht.

Ein großes Problem für viele Arbeitnehmer ist das Verschwimmen der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben. Die gesetzlichen Arbeitszeitregelungen dürfen auch im Homeoffice nicht ausgehebelt werden, aber der Arbeitnehmer trägt hier in erster Linie eine Eigenverantwortung und muss selbst für ausreichende Ruhe-und Erholungszeiten sorgen. Nur durch flexible Zeiteinteilung und ein durchdachtes Zeitmanagement können auch zusätzlichen Belastungen wie etwa die Kinderbetreuung abgedeckt werden. In jedem Fall sollten feste Kommunikations- und Erreichbarkeitszeiten für dienstliche Belange vereinbart werden, so kann mit aufkommendem Zeit- und Leistungsdruck effektiv umgegangen und psychischen Belastungen so weit wie möglich aus dem Weg gegangen werden.