Egal ob auf Urlaubsreisen im Sommer oder bei tiefstehender Sonne im Frühjahr und Herbst: Getönte Scheiben, Rollos und Sonnenblenden zum Nachrüsten erfreuen sich großer Beliebtheit. Freie Hand haben Autofahrer dabei aber keineswegs: Die Straßenverkehrszulassungsordnung legt klar fest, was erlaubt ist – und womit man im Zweifel ein Bußgeld oder sogar den Versicherungsschutz riskiert.

Auf den ersten Blick ist die Sache klar: Abgedunkelte Scheiben und andere Maßnahmen wie die oft mit bunten Motiven bedruckten und per Saugnapf zu befestigenden Sonnenblenden lassen weniger Sonne ins Auto, tragen zu etwas niedrigeren Temperaturen im Innenraum bei und wirken einer Blendung durch direkte Sonneneinstrahlung entgegen. Auch wenn der Gesetzgeber diese Vorteile grundsätzlich akzeptiert, schätzt er die potenziell eingeschränkte Sicht als größeres Risiko ein und hat daher eine wichtige Einschränkung definiert. Alle Scheiben „die für die Sicht des Fahrzeugführers von Bedeutung sind, müssen klar, lichtdurchlässig und verzerrungsfrei sein“, heißt es im ersten Absatz von Paragraph 40 der StVZO. „Gemeint sind damit die Frontscheibe und die vorderen Seitenscheiben, erst ab der B-Säule kann die Tönung der Scheiben auch mit Folien erfolgen. Die von einigen Herstellern ab Werk angebotenen Wärmeschutzverglasungen dürfen auch im Sichtbereich des Fahrers zum Einsatz kommen“, erläutert Torsten Hesse vom TÜV Thüringen.

Wer sich nicht an diese einfache Regel hält, riskiert nicht nur ein Bußgeld: „Das Fahren bei eingeschränkter Sicht kostet mindestens 10 Euro, oft wird es aber teurer. Denn wenn die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt wird, steigt das Bußgeld auf 90 Euro und man erhält zusätzlich einen Punkt in Flensburg. Kommt es bei einem Fahrzeug mit unzulässig abgedunkelten Scheiben zu einem Unfall, kann die Kfz-Versicherung sogar den Versicherungsschutz in Frage stellen“, weist Torsten Hesse auf ein oft unterschätztes Risiko hin. Der Experte fährt fort: „Bei Folien zur nachträglichen Verdunkelung der Scheiben muss unbedingt auf eine Allgemeine Bauartgenehmigung (ABG) geachtet werden. Andere Folien sorgen spätestens bei der nächsten Hauptuntersuchung für Probleme.“

Für die Seitenscheiben ab der B-Säule und für die Heckscheibe schreibt die Straßenverkehrsordnung keine maximale Verdunkelung vor. Die Lichtdurchlässigkeit einer Folie darf theoretisch bis zu 0 Prozent betragen, wenn sie dennoch über eine Bauartgenehmigung verfügt. Üblicher sind aber Folien mit einer Lichtdurchlässigkeit zwischen 3 und 30 Prozent. Hierbei sind auch verschiedene Tönungen möglich, um beispielsweise eine bessere Sicht durch die Heckscheibe zu gewähren. Bei abnehmbaren Sonnenblenden und Rollos für hintere Seiten- und Heckscheiben ist keine Genehmigung erforderlich. Torsten Hesse verweist darauf, dass die Gesetzgebung in anderen Ländern mitunter stark vom deutschen Modell abweicht: „Vor allem in den USA sind viele Tuning-Fans mit rundum verdunkelten Scheiben unterwegs, was hierzulande undenkbar wäre – dort aber völlig legal ist.“