Der Oktober neigt sich dem Ende – allerhöchste Zeit für die Winterreifen. Während die meisten Autofahrer für den Reifenwechsel in die Werkstatt fahren oder den nächsten Reifendienst aufsuchen, legen andere lieber selbst Hand an und greifen zu Radschlüssel und Wagenheber. Doch Vorsicht, hierbei kann auch einiges schief gehen. Torsten Hesse vom TÜV Thüringen verrät, worauf zu achten ist und warum es besser ist, lieber auf den Profi zu vertrauen. 

Von O bis O: die gute alte Regel hat nach wie vor Bestand. Denn in unseren Breitengraden kann es bereits im Oktober und bis in den April hinein zu Schneefall kommen – und das nicht nur in den Höhenlagen. Temperaturen um den Gefrierpunkt sind in diesem Zeitraum keine Seltenheit. Daher heißt es für viele im Oktober: das Fahrzeug auf Winterbereifung umrüsten. „Spätestens ab Mitte November sollten die Winter-Pneus aufgezogen werden. Denn dann können sich die Temperaturen auch tagsüber dauerhaft im Frostbereich beziehungsweise um die Null-Grad-Grenze bewegen“, erklärt Torsten Hesse vom TÜV Thüringen.

Wer seinen Reifenwechsel noch in Eigenregie erledigt, sollte jedoch auf einige Dinge achtgeben. Fahrzeugexperte Hesse rät jedoch davon ab. „Sowohl bei der Montage, als auch beim Einlagern können Autofahrer einiges verkehrt machen“, so Hesse.

1.    Wagenheber schief angesetzt

Bereits beim Hochbocken des Fahrzeugs sind die ersten Fehler vorprogrammiert. Wer den Reifenwechsel auf dem falschen Untergrund, zum Beispiel auf einer abschüssigen Fahrbahn oder auf Kopfsteinpflaster durchführt, riskiert ein Einklappen des Wagenhebers. Hier kann es zu schweren Verletzungen kommen. Außerdem können dabei die Radaufhängung sowie Front- und Seitenschweller in Mitleidenschaft gezogen werden. Es ist daher unbedingt auf einen ebenen und festen Untergrund zu achten. Der Wagenheber darf nicht verkanten und muss an der dafür vorgesehen Stelle angesetzt werden. Wer hier einen Fehler macht, kann die Karosserie seines Fahrzeugs im Schwellerbereich beschädigen.

2.    Unsachgemäße Montage – Radmuttern zu locker oder zu fest angezogen

Bei der Reifenmontage vertrauen viele Hobbyschrauber auf ihr Gefühl. Doch Radschrauben müssen immer mit dem dafür vorgeschriebenen Drehmoment angezogen werden. Zu locker ist hierbei genauso schlecht wie zu fest. Zu leicht angezogene Schrauben können sich im Zweifel lockern und während der Fahrt lösen. Zu fest angezogene Radschrauben belasten hingegen das Material von Felge und Schraube über Gebühr. Der altbekannte Spruch „nach fest kommt ab“ kann durchaus auch bei der Reifenmontage zutreffen. Die Radmuttern sollten immer über Kreuz angezogen und nach zirka 50 bis 100 Kilometern Fahrtstrecke erneut nachgezogen werden.

Bei laufrichtungsgebundenen Reifen ist darauf zu achten, dass sie richtig herum montiert werden. Auf der Reifenflanke befindet sich dafür ein Richtungspfeil, der in Verbindung mit dem Wort „Rotation“ die Laufrichtung des Reifens angibt.

Die einzulagernden Reifen sollten so markiert werden, dass man beim nächsten Reifenwechsel weiß, an welcher Stelle sie montiert waren. Dazu können die Reifenflanken mit Kreide beschriftet werden – beispielsweise mit einem VR für vorne rechts oder einem HL für hinten links. Die Reifen sollten nie über Kreuz sondern nur achsweise gewechselt werden.

3.    Unwuchten der Räder oder Beschädigung im Reifen nicht bemerkt

Wer die Reifenmontage nicht vom autorisierten Fachmann durchführen lässt und lieber selbst Hand anlegt, bemerkt womöglich Beschädigungen an Reifen oder Felgen nicht. Auch auf das professionelle Auswuchten der Räder verzichtet er bewusst. Entstehen Unwuchten in den Rädern kann es zu einem ungleichmäßigen Abfahren des Reifenprofils kommen. Dies wirkt sich negativ auf Fahrverhalten und Fahrstabilität des Fahrzeugs aus. In jedem Fall sollten die Reifen vor dem Einlagern auf Beschädigungen wie eingefahrene Teile, Rissbildungen, Deformationen oder Schlitze untersucht werden. Dabei sollten Steinchen aus dem Reifenprofil entfernt werden.

Darüber hinaus sind eine Beurteilung des Gesamtzustands der Reifen sowie das Messen der Profiltiefe Pflicht. So kann man sich frühzeitig darauf einstellen, ob neue Reifen für die nächste Saison nötig sind. Generell ist in Deutschland eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vorgeschrieben. Dennoch sollten Autofahrer ihre Reifen nicht ganz bis zum Grenzwert abfahren. Für Winterreifen sind jedoch mindestens 4 Millimetern empfehlenswert. Es ist ratsam, die Reifen und Felgen vor der Einlagerung gründlich zu säubern.

4.    Luftdruck nicht korrekt angepasst

Nach jedem Reifenwechsel heißt es, den Luftdruck anzupassen. Wer glaubt, dass die eingelagerten Pneus schon keinen Druckverlust über die saisonale Auszeit erlitten haben, liegt falsch. Ein zu niedriger Reifendruck wirkt sich negativ auf Fahrverhalten, Bremsweg und Spritverbrauch aus. Vor der Einlagerung empfehlen die Hersteller den Reifendruck um 0,5 bar zu erhöhen.

5.    Nicht optimale Lagerung der Reifen

Oftmals herrschen in der privaten Garage oder im Keller nicht die optimalsten Bedingungen für eine Einlagerung von Reifen. Wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, sollte die Reifen an einem kühlen, trockenen und vor allem auch dunklen Ort lagern. Stark schwankende Temperaturen mögen die Reifen genauso wenig wie direkte Sonnenlichteinstrahlung. Für die Lagerung bieten sich sogenannte Felgenbäume oder spezielle Wandhalterungen an. Diese entlasten die Reifen. Ansonsten sollten auf Felge aufgezogene Reifen liegend übereinander gestapelt eingelagert werden. Dafür ist eine saubere und ebene Unterlage ein Muss. Reifen ohne Felge sollten hingegen stehend aufbewahrt werden und regelmäßig, etwa einmal im Monat, um eine Viertel Drehung gedreht werden.

 

Der Tipp von Fahrzeugexperte Torsten Hesse: Beim Reifenwechsel lieber auf professionelle Hilfe vertrauen. „Wer seinen Reifenwechsel bei autorisierten Kfz-Werkstätten oder Reifendiensten durchführen lässt, geht auf Nummer sicher und vermeidet Fehler. Viele dieser Werkstätten bieten für moderate Kosten auch eine fachgerechte Einlagerung an“, empfiehlt Hesse.

TÜV Thüringen – Mit Sicherheit in guten Händen!

Der TÜV Thüringen, als Mitglied im Verband der TÜV e.V. (VdTÜV), unterstützt die EU-Charta für Straßenverkehrssicherheit „25 000 Leben retten“.

Als international tätiges Dienstleistungsunternehmen mit Stammsitz in Erfurt sorgt der TÜV Thüringen für Sicherheit, Qualität und Zuverlässigkeit. Dazu sind in den Geschäftsfeldern Anlagen und Produkte, Fahrzeug und Mobilität, Qualifizierung sowie Zertifizierung mehr als 1 000 Mitarbeiter weltweit tätig, davon mehr als 600 in Deutschland. Die Experten, Ingenieure und Sachverständigen des TÜV Thüringen arbeiten zum Vorteil aller Branchen, privater Kunden und der öffentlichen Hand. In Deutschland ist der TÜV Thüringen mit elf großen Standorten in Berlin, Bayern, Hessen, Sachsen und Thüringen sowie mit zahlreichen Kfz-Prüfstationen in Thüringen vertreten.