„Das war doch noch Gelb“ zählt zu den beliebtesten Autofahrer-Ausreden, nachdem sie noch schnell über die Ampelkreuzung gefahren sind. Doch ab wann besteht der Tatbestand einer Rotlichtfahrt und welche Konsequenzen hat das für den Verkehrssünder? Unfallexperte Achmed Leser vom TÜV Thüringen erklärt, ab wann es teuer wird – und wieso die hohen Strafen absolut berechtigt sind.

„Der Sinn einer Wechsellichtzeichenanlage, wie die Ampel im StVO-Deutsch genannt wird, liegt klar auf der Hand: Sie regelt den Verkehr an Kreuzungen, Einmündungen oder an Markierungen für den Fußgängerverkehr. Wer Grün hat, für den ist der Verkehr freigegeben“, fasst Achmed Leser die Situation zusammen. Die Argumentation einiger Autofahrer, dass man bei Gelb noch fahren darf und das Fahren bei Rot erst nach einer Sekunde Rotphase geahndet wird, ist ein Irrglaube: „Bereits bei Gelb hat der Verkehrsteilnehmer auf das nächstfolgende Zeichen zu warten – und zwar vor der Kreuzung. Selbst der Gelblichtverstoß kann bereits zu einem Bußgeld von 10 Euro führen, nämlich genau dann, wenn ein gefahrloses Anhalten noch möglich gewesen wäre“, so Unfallexperte Achmed Leser.

Sehr viel teurer – weil extrem gefährlich – wird es beim Missachten des Rotlichts. „Hier sieht der Bußgeldkatalog sehr hohe Strafen vor – und das zu Recht. Denn Rot ordnet den Halt vor der Kreuzung an. Wer bei Rot die Kreuzung passiert, riskiert einen Zusammenstoß mit anderen Verkehrsteilnehmern. Bereits das einfache Missachten der Rotlichtphase schlägt mit 90 Euro und einem Punkt im Fahreignungsregister zu Buche“, warnt Leser. Bei einer Gefährdung anderer werden daraus 200 Euro Bußgeld, hinzu kommen zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Passiert bei der Rotfahrt ein Unfall, erhöht sich das Bußgeld auf 240 Euro. Die Schuldfrage dürfte dabei auf der Hand liegen. Noch schärfer sind die Strafen, wenn die Rotphase bereits eine Sekunde andauerte, denn jetzt wird automatisch eine Gefährdung anderer unterstellt. Hierfür werden bis zu 360 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot fällig.

Wer glaubt, dass das Haltegebot bei einer roten Ampel nur für Autofahrer Konsequenzen hat, liegt ebenfalls völlig falsch. Die Strafen für eine Rotfahrt mit dem Fahrrad sind inzwischen nicht zu unterschätzen: Die Bußgelder beginnen bei 60 Euro und enden bei 180 Euro. Was viele Radfahrer nicht wissen: Für die Missachtung der Rotphase kassiert man auch auf dem Fahrrad einen Punkt im Flensburger Fahreignungsregister. Und auch der vermeintlich schwächere Fußgänger kann ein Bußgeld für das Missachten der roten Ampel kassieren. Wer bei Rot über die Straße geht, muss mit 5 bis 10 Euro Strafe rechnen. Aus Sicht des Unfallexperten vom TÜV Thüringen ist die Sachlage eindeutig: „Im Straßenverkehr zählt das Beachten einer roten Ampel durch alle anderen Verkehrsteilnehmer zu den Grundregeln, auf die sich jeder bei Grün verlässt. Wer dagegen verstößt, riskiert schlimme Unfälle und wird völlig zu Recht hart bestraft.“