Würde man Autofahrer fragen, was der Sturz am Auto ist oder wo sich dieser befindet, bekäme man sicherlich meist nur ein Schulterzucken als Antwort. Fahrzeugexperte Christian Heinz vom TÜV Thüringen erklärt im kleinen Einmaleins der Fahrzeugkunde, worum es sich beim Sturz oder besser gesagt beim Radsturz am Fahrzeug handelt.      

„Unter dem Radsturz versteht man die vertikale Radneigung in Laufrichtung des Rades. Genauer gesagt gibt der Sturz eines Rades den Winkel zwischen der gedachten laufrichtungsbezogenen Radmitte und der Senkrechten zur Fahrbahn an“, beschreibt Heinz den Begriff aus der Fahrwerkstechnik. Dieser Winkel kann positiv oder negativ sein. Das bedeutet, dass das Rad bei einem negativen Sturz in Fahrtrichtung gesehen nach innen geneigt ist, bei einem positiven Radsturz verläuft die vertikale Radneigung nach außen.

Bei einem Serienfahrzeug wird üblicherweise ein leicht negativer Sturz eingestellt und das, sowohl an der Hinter- wie an der Vorderachse. Dieser ist aber mit dem bloßen Auge kaum sichtbar. „Das hat den Vorteil, dass das Rad eine höhere Seitenführungskraft in Kurven aufbauen kann. Dieses Phänomen wird im Motorsport aber auch in der Tuning-Scene genutzt. Durch einen größeren Radsturz will man höhere Kurvengeschwindigkeiten und mehr Kurvenstabilität erreichen. Bei manchen Tuning-Fahrzeugen werden die Fahrwerkskomponenten jedoch mit einem extremen negativen Sturz versehen. Dieser auffällige Schiefstand der Räder wird auch ‚Camber‘ genannt, hat aber dann eher nur einen ‚optischen Aspekt‘“, meint Christian Heinz vom TÜV Thüringen. Neben den positiven Eigenschaften beim Kurvenfahren hat ein solch übermäßiger negativer Sturz am Fahrzeug auch ganz klare Nachteile. Der Geradeauslauf des Autos verschlechtert sich und durch die erhöhte Belastung der Reifeninnenseite fahren sich die Reifen einseitig ab – der Reifenverschleiß erhöht sich.