Mehr als sieben Millionen Gebrauchtwagen wechseln jährlich den Besitzer. Kaufinteressenten sind bei der Vielzahl der Angebote oft überfordert und immer wieder unsicher, worauf bei der Anschaffung des neuen Gerbrauchten geachtet werden sollte. Die Erfahrung zeigt: Blindes Vertrauen ist dabei keinesfalls angebracht. Gebrauchtwagenexperte Achmed Leser vom TÜV Thüringen erklärt, warum gerade auch technische Details in der Fahrzeughistorie genauestens geprüft werden sollten. Wurden beispielsweise nicht alle Rückrufe oder Serviceaktionen der Hersteller fachgerecht ausgeführt, kann dies im Extremfall sogar zur Zwangsstilllegung führen.

„Viele Gebrauchtwagenkäufer suchen sich ihr Fahrzeug vordergründig nach Äußerlichkeiten aus. Haben sie sich einmal auf ein bestimmtes Modell und gewisse Ausstattungsmerkmale wie Farbgebung, Polsterausführung oder ‚Navi an Bord‘ festgelegt, wird die Kaufentscheidung nur noch anhand von Laufleistung und Preis festgemacht. Letztlich wird die Entscheidung beim Autokauf sehr oft aus dem Bauch heraus getroffen“, weiß Achmed Leser aus jahrelanger Erfahrung.

„Ob ein gebrauchtes Fahrzeug nicht nur optisch, sondern auch technisch in einem guten Zustand ist, können die meisten Autokäufer nicht hinreichend einschätzen. Daher ist es im Zweifel hilfreich, den Rat eines unabhängigen Experten hinzuzuziehen“, empfiehlt Leser. Gerade weil Laien beim Blick unters Blech viele technische Mängel kaum erkennen können, sollten sie auf jeden Fall einen genauen Blick ins Serviceheft beziehungsweise das elektronische Bordbuch moderner Fahrzeuge werfen. Hier ist zumindest schnell ersichtlich, ob es einen Service-Stau gibt.

Einen Punkt haben die meisten Autokäufer jedoch nicht im Blick: Gab es für das betreffende Fahrzeug angeordnete Rückrufe oder freiwillige Serviceaktionen des Herstellers und wurden diese auch fachmännisch ausgeführt? „Immer häufiger werden Fahrzeuge wegen auftretender Mängel von den Herstellern in die Werkstätten zurück gerufen – und das auch noch Jahre nach deren Erstzulassung. Unkritische Mängel werden oft im Rahmen einer Inspektion behoben. Von diesen sogenannten stillen Rückrufen bekommt der Kunde in aller Regel nicht viel mit. Ganz anders verhält es sich allerdings bei Mängeln, die eine Gefährdung für Fahrer, Insassen oder andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Diese sicherheits- oder umweltrelevanten Mängel können zum Beispiel Defekte an der Bremsanlage, den Airbags oder aber Ölverlust sowie Probleme beim Abgasverhalten betreffen. In diesen Fällen wird der Halter direkt vom Hersteller angeschrieben. Diese Rückrufe sind dann oftmals durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) angeordnet. Der Fahrzeughalter ist verpflichtet, solche Mängel abstellen zu lassen. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, kann das Fahrzeug durch die örtlichen Behörden sogar stillgelegt werden. Beim Verkauf muss der Besitzer den Käufer über gegebenenfalls nicht ausgeführte Rückrufe informieren. Das wissen viele nicht. „Gebrauchtwagenkäufer sollten daher explizit fragen und sich die Durchführung aller wesentlichen Rückrufe und Serviceaktionen im Kaufvertrag bestätigen lassen“, so die Empfehlung des Fahrzeugexperten Achmed Leser.

Ob alle Rückrufaktionen am Fahrzeug ausgeführt wurden, lässt sich dem Servicebuch entnehmen oder in den Datenbanken der Hersteller abfragen. Auch beim KBA können Kaufinteressenten recherchieren, ob und welche Rückrufe für das jeweilige Modell angeordnet worden sind. Beim Kauf kann dann gezielt geschaut werden, ob diese Mängel auch abgestellt wurden. „In der Regel übernehmen die Hersteller die Kosten für die Reparaturen bei Rückrufen und freiwilligen Serviceaktionen, allerdings nur in einer bestimmten Frist. Wurde der Gebrauchte nicht regelmäßig gewartet, können hier versteckte Mängel aus nicht durchgeführten Rückrufen schlummern“ so der Gebrauchtwagenexperte.