Mit dem Siegeszug des Automobils im 20. Jahrhundert sind Tiere im Straßenverkehr ein immer seltenerer Anblick geworden. Pferdekutschen werden fast nur noch aus nostalgischen Gründen und zur Unterhaltung eingesetzt, etwa für Stadtrundfahrten oder touristische Ausflüge. Dennoch kommt es hin und wieder zu Begegnungen zwischen Auto und Tier, was für immer mehr Autofahrer ein ebenso ungewollter wie ungewohnter Kontakt ist. Wie man sich richtig verhält, wenn plötzlich Reiter oder Pferdekutschen auf der Fahrbahn sind oder Vieh über die Straße getrieben wird, erklärt Achmed Leser vom TÜV Thüringen.

„Bei großen Tieren auf der Fahrbahn sollten Autofahrer immer besonders vorsichtig und möglichst vorhersehbar fahren. Nicht alle Tiere bleiben entspannt, wenn Autos schnell und lautstark an ihnen vorbeifahren, das kann neben den Tieren selbst schnell auch ihre menschlichen Begleiter und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen. Beim Überholen ist daher auf möglichst großen Abstand zu achten, auf den Einsatz der Hupe oder ein vermeidbares Aufheulen des Motors sollte unbedingt verzichtet werden“, rät Unfallexperte Achmed Leser.

Neben Autofahrern müssen aber auch die Halter der Tiere einiges beachten, wenn sie mit diesen am Straßenverkehr teilnehmen wollen: Für Reiter und Kutscher oder auch beim Führen und Treiben von Tieren gelten sinngemäß die gleichen Verkehrsregeln und Anordnungen wie für alle anderen Straßenbenutzer. Neben der Beachtung von Verkehrsschildern, Ampeln oder Vorfahrtsregeln zählt hierzu auch die Notwendigkeit einer entsprechenden Beleuchtung der Tiere in der Dämmerung. Wenn kein speziell ausgewiesener Reitweg mit weißem Reiter auf blauem Grund vorhanden ist, müssen Reiter mit ihrem Pferd die Fahrbahn benutzen. „Gibt es einen Reitweg, muss dieser aber auch benutzt werden. In diesem Fall sind die normale Fahrbahn genau wie Geh- und Radwege für Reiter und geführte Pferde tabu“, macht Achmed Leser vom TÜV Thüringen deutlich.

Um die Risiken einer Begegnung so gering wie möglich zu halten, dürfen Haus- und Stalltiere nur in Begleitung von Personen, die in geeigneter Form auf die Tiere einwirken können, auf die Straße. „Das trifft nicht nur auf Pferde oder Vieh zu, sondern auch auf das Gassi gehen mit dem Hund. Wenn ein Hund oder ein anderes Tier frei herumläuft und beim Überqueren einer Straße einen Unfall verursacht, ist der Halter dafür verantwortlich. Auch wenn ein Pferd durchgeht und dadurch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder gar geschädigt werden, muss der Halter mit Konsequenzen rechnen. Eine Ausnahme für Hunde ist, dass sie auch mit dem Fahrrad geführt werden dürfen“, erinnert Leser an die Vorgaben der StVO.