Überhöhte Geschwindigkeit ist eine der wichtigsten Unfallursachen. Da ist es kein Wunder, dass auf vielen Straßen ein Tempolimit gilt – selbst auf deutschen Autobahnen sind Geschwindigkeitsbeschränkungen längst die Regel und keine Ausnahme mehr. Ab wann ein Tempolimit nicht mehr beachtet werden muss, sorgt jedoch immer wieder für Verwirrung. So mancher Autofahrer denkt, dass schon eine Autobahnauffahrt oder ein Parkplatz ohne folgendes Tempolimit-Schild als Aufhebung der Beschränkung gilt. Aber stimmt das? Verkehrsexperte Karsten Raspe vom TÜV Thüringen räumt mit dem Irrglauben auf.

„Generell darf laut StVO nicht schneller als die angegebene Höchstgeschwindigkeit gefahren werden. Die Geschwindigkeitsbeschränkung beginnt mit dem Verkehrszeichen 274“, erklärt Karsten Raspe. Das runde rotgerahmte Schild gibt die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Kilometern pro Stunde an. „Das Tempolimit ist erst dann beendet, wenn es durch ein entsprechendes Aufhebungszeichen aufgehoben oder durch ein anderes Gebotsschild verändert wird. Damit sind auch andere geschwindigkeitsregelnde Verkehrsschilder gemeint, zum Beispiel das gelbe Schild am Ortseingang“, so Raspe. Wer also auf der Autobahn unterwegs ist, muss auf das entsprechende Aufhebungsschild achten. Autofahrer, die auffahren und denen aufgrund der zufälligen Nichtwiederholung einer Tempobeschränkung durch ein Verkehrszeichen oder elektronische Wechselverkehrszeichen diese nicht angezeigt bekommen, können wegen einer Geschwindigkeitsübertretung hingegen nicht belangt werden. Das wurde bereits in den 90er-Jahren vom OLG Hamm bestätigt. Das bekannte schwarzgerahmte Aufhebungsschild ist rund mit fünf schwarzen Querstreifen auf weißem Grund. Ohne Geschwindigkeitsangabe hebt es sämtliche Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverbote auf. Bei der Aufhebung einer konkreten Geschwindigkeitsbegrenzung wird die graue Ziffer für die bisherige Höchstgeschwindigkeit von den schwarzen Streifen durchgestrichen. Eine Einmündung, Kreuzung oder Auffahrt ist also kein Freifahrtschein. Das Gleiche gilt übrigens auch für Überholverbote.

Es gibt aber auch streckenbezogene Geschwindigkeitsbeschränkungen, die nicht durch ein Aufhebungszeichen gekennzeichnet werden müssen. Das ist dann der Fall, wenn das Verbot nur für eine kurze Strecke gilt und auf einem Zusatzzeichen die Länge angegeben ist, beispielsweise für 400 Meter. Auf dem kleinen schwarzeingerahmten Schild mit weißem Hintergrund steht dann zum Beispiel „400 Meter“ mit jeweils einem schwarzen Pfeil nach oben links und rechts neben der Längenangabe. Die Geschwindigkeitsbeschränkung ist nach dieser Strecke automatisch wieder aufgehoben. „Eine andere Variante sind Beschränkungen, bei denen die zulässige Höchstgeschwindigkeit in Verbindung mit einem Gefahrzeichen angegeben ist. Zum Beispiel im Bereich einer Baustelle oder vor einer gefährlichen Kurve“, erläutert Karsten Raspe. Auch diese werden nicht durch ein Aufhebungsschild beendet. Ist aus der Örtlichkeit zweifelsfrei klar, dass die angezeigte Gefahr nicht mehr besteht, ist die Beschränkung aufgehoben.

Wie Karsten Raspe weiß, sorgt auch der Zusatz „bei Nässe“ immer wieder für Irritationen: „Wann genau die Straße nass ist, schätzt nicht jeder Autofahrer genauso ein. Spätestens dann, wenn man den Scheibenwischer einschalten möchte, ist die Straße aber definitiv nass. Wie immer im Straßenverkehr gilt auch hier: Im Zweifel sollte man lieber auf Nummer sicher gehen und davon ausgehen, dass die Beschränkung gilt – sonst bringt man sich selbst und andere unnötig in Gefahr.“