Wann dürfen Autofahrer eigentlich das Fernlicht benutzen – und wann nicht? Mancher Autofahrer meint, dass die Fernlicht-Funktion nur außerorts erlaubt sei. Was aber tun, wenn eine Straße in einer Ortschaft schlecht ausgeleuchtet ist? Kann dann trotzdem aufgeblendet oder mit Fernlicht gefahren werden? Unfallexperte Achmed Leser vom TÜV Thüringen klärt auf.

„Grundsätzlich schreibt die Straßenverkehrsordnung vor, während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn es die Sichtverhältnisse erfordern, die vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen am Fahrzeug zu benutzen“, zitiert Verkehrs- und Unfallexperte Achmed Leser die StVO. „Dort ist auch die Benutzung des Fernlichts beschrieben. Letztlich geht es um das Sehen und Gesehen werden. Das Fernlicht darf jedoch nicht eingeschaltet werden, wenn Straßen durchgehend und ausreichend beleuchtet sind. Das ist in vielen Ortschaften der Fall“, fügt Leser hinzu. „Es gibt aber auch Streckenabschnitte innerorts, die gar nicht, nicht durchgehend oder nur sehr schlecht beleuchtet sind. Hier dürfen Autofahrer das Fernlicht zuschalten – aber natürlich nur, wenn dadurch keine anderen Verkehrsteilnehmer geblendet werden“, so Leser. Da dies im Innerortsverkehr nicht immer möglich ist und viele Straßen mit einer Straßenbeleuchtung ausgestattet sind, hält sich auch der Mythos eines generellen Fernlicht-Verbots innerhalb geschlossener Ortschaften hartnäckig. „Dieses Verbot gibt es in der Praxis nicht. In einer schlecht ausgeleuchteten Kurve oder Straßenpassage darf das Fernlicht auch innerorts benutzt werden. Der Autofahrer sollte jedoch immer auch gedanklich eine Hand am Abblendhebel haben, um rechtzeitig reagieren und abblenden zu können“, mahnt Achmed Leser.

Im Umkehrschluss ist die Benutzung des Fernlichts auf nicht ausreichend beleuchteten Straßen immer dann erlaubt, wenn vorausfahrende Verkehrsteilnehmer nicht geblendet werden oder auf Autobahnen der Mittelstreifen ausreichend lichtdicht ist, um eine Blendung des Gegenverkehrs verhindern zu können. Außerhalb geschlossener Ortschaften darf auch das Überholen durch ein kurzes Leuchtzeichen per Lichthupe angekündigt werden.

Wer jedoch auf durchgehend ausreichend beleuchteten Straßen mit Fernlicht unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 10 Euro rechnen. Kommt es zu einer Gefährdung anderer oder gar zum Unfall, werden 15 beziehungsweise 35 Euro fällig. Wer nicht rechtzeitig abblendet und den Gegenverkehr in Gefahr bringt, muss ohne Gefährdung 20 Euro Buße und mit Gefährdung 25 Euro zahlen. Kommt es durch Blendung des Gegenverkehrs zu einem Unfall, muss der Verursacher eine Geldstrafe von 35 Euro in Kauf nehmen.