Bekamen früher Autofahrer noch Schweißperlen auf die Stirn, weil ihre Tanknadel in den roten Bereich abdriftete, können sie heutzutage ruhig die Nerven bewahren. Dank Bordcomputer werden sie rechtzeitig gewarnt, das Fahrzeugdisplay zeigt die Restreichweite auf den Kilometer genau an und aufgrund eines guten Tankstellennetzes sollte ein leergefahrener Tank eigentlich der Vergangenheit angehören. Doch was passiert, wenn das Auto aus Spritmangel plötzlich doch stehen bleibt. Führt das unweigerlich zu einem technischen Defekt? Fahrzeugexperte Torsten Hesse vom TÜV Thüringen klärt auf.

„Auf keinen Fall sollten Autofahrer den letzten Tropfen im Tank ausreizen. Denn kommt das Fahrzeug aufgrund eines leeren Tanks beispielsweise auf Kraftfahrstraßen oder Autobahnen zum Stehen, drohen Bußgelder. Hier kann davon ausgegangen werden, dass der Fahrer dies billigend in Kauf genommen hat und fährlässig durch sein Liegenbleiben andere behindert oder gefährdet“, so Hesse. Das Halten auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen wird mit mindesten 30 Euro Bußgeld belegt.

Bei älteren Fahrzeugen führte das Leerfahren des Tanks oftmals zu Schäden an der Kraftstoffanlage, kaputte Einspritz- und Benzinpumpen waren keine Seltenheit. Bei älteren Dieseln, die eine mechanische Einspritzung unter der Haube hatten, war eine aufwendige manuelle Entlüftung des Kraftstoffsystems erforderlich. Modernen Motoren sind laut Angaben der Hersteller gegen das Trockenfahren zwar weitestgehend immun, dennoch ist dies auch hier keineswegs zu empfehlen. Trotz des Einsatzes von Kraftstofffiltern können durch das Leerfahren Schmutzpartikel, die sich im Kraftstoff ablagern, angesaugt werden. Eine saubere Kraftstoffverbrennung ist dann möglicherweise nicht mehr gewährleistet.

In jedem Fall muss bei einem leergefahren Tank, Kraftstoff nachgefüllt werden. Da heutzutage der Reservekanister aber eher ausgedient hat, müssen aus Spritmangel liegengebliebene Autofahrer sich zu Fuß auf zur nächsten Tankstelle machen. Fahrzeugexperte Torsten Hesse rät dazu, rechtzeitig aufzutanken. Spätestens dann, wenn die Tankanzeige des Fahrzeugs aufleuchtet beziehungsweise die Restreichweite in einen kilometerkritischen Bereich sinkt. Wer vorausschauend tankt und die Spritpreise beobachtet, kann an der Zapfsäule mehrere Cent pro Liter sparen.